Tagebuch zum Brasilienaufenthalt:
 

Monat Oktober
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09.10.02

Öde - heute will die Arbeit einfach kein Ende nehmen. Und dabei würd ich bei sonnigem Himmel liebend gerne in einem Park meine Beine weit von mir strecken. Dafür habe ich aber festgestellt, dass unsere Seite endlich bei Lycos registriert ist.
Letztes Wochenende waren nun endlich die Wahlen. Doch anstatt dass der ganze Wahlzirkus hier nun endlich ein Ende hätte, gibt es am 27.10 noch einmal Stichwahlen. Das Ergebnis der Wahlen hat mich aber eh weniger Amüsiert, als das Ergebnis des Alkoholverbots am Wahlsonntag. Eigentlich ist es verboten, ab Sonntag 00:00 Uhr bis zum Ende der Wahlzeit (also 17:00 Uhr) Alkohol zu trinken und auszuschenken. Letzteres machen die Kneipen und Supermärkte dann natürlich auch nicht. Doch gerade eben weil der Alkoholgenuss nicht erlaubt ist, kaufen alle Brasilianer am Samstag Abend in den Supermärkten sämtliche Regale leer und machen zu Hause private Sauforgien. Am Sonntag wird dann bei gemütlichem Churrasco (Grillen) weiter getrunken. Das Ergebnis sind dann ungültige Stimmabgaben, einige Blechschäden auf den Strassen und arbeitsunfähige Kollegen am nächsten Arbeitstag. Aber bei uns zu Hause gab es ja auch Anschauungsobjekte, was ein Wahlwochenende mit Alkoholverbot so alles anrichten kann. Da konnte man einen Griechen besichtigen, der auf der Gitarre vor sich hinzupfend, auf dem Boden kauerte und einen Bayer, welcher kein Wort mehr raus bekam. Dafür hat er dann natürlich den Montag entsprechend vor sich hinvegetiert und ist eigentlich erst Dienstag wieder zum Leben erwacht. Sergio und ich haben dafür unter Führung einer Agrarökonomie Studentin und ihrer beider Schwestern den Jardim Botanico besichtigt. Einer der vielen Parks, welche es in Curitiba gibt. Nur leider sind ja Männer "so unorganisiert" (Zitat von Luciana), dass wir unseren Foto leider nicht dabei hatten. Ansonsten hätten wir wunderschöne Bilder von dem Park präsentieren können. So muss man sich einfach traumhaftes Wetter mit 28°C vorstellen. Einen grünen Park mit vielen verschiedenen, bunten Blumen. Einen kleinen See, mit Enten, Fischen und Schildkröten. Und natürlich einige, entspannte Brasilianer, die mit Touristen durch den Park schlendern, oder in der Wiese liegend, Eis und Zuckerwatte genießen.

 

21.10.02 Hallöle Tagebuch. Eigentlich gibt es ja viel zu berichten, da schon wieder 2 Wochenenden vorüber sind, aber da ich heute schon einen so langen Arbeitstag hinter mir habe, werde ich mich eher kurz fassen. Zunächst einmal das Wichtigste. Auf meinem Lapi habe ich nun doch WinXP installiert, da mein liebes 2000 nicht weiter mit mir zusammen arbeiten wollte. Nachdem der Rechner hochgefahren war und der Anmeldebildschirm in meiner göttlichen 1400*1050 Auflösung auf Signale wartete, musste ich vom einen Tag auf den anderen plötzlich darauf warten, dass von der Tastatur eingelesen wird. Erst nachdem ich das System in den Standby geschickt hatte, wurde gnädiger weise nach dem erneuten Erwachen, das Tastengeklapper vom restlichen System wahrgenommen. Nun ja, nachdem ich mich nun doch in Microschrotts Bubble-Gum Welt vorgewagt habe,  war es für mich ein wahres Vergnügen, das System wieder zur klassischen Oberfläche zurück zu klickern. Nu sieht auch alles fast wieder so aus wie bei 2000. :o)
Vorletztes Wochenende war ich sozusagen "alleine" unterwegs, da ich mich ohne den Rest der WG aus Curitiba heraus wagte. Da wir hier allerdings immer noch kein Auto haben, ließ ich mich dann doch herum chauffieren. Und zwar von Allan. Woher ich den kannte? - Hmmm. Bis zu dem Moment, wo ich vor seinem Auto stand, kannte ich ihn gar nicht. Aber Alexander, der norwegische Hamburg-Schweizer, der auch für 5 Monate ein Praktikum bei Audi macht, der kannte ihn bereits. Alexander war es auch, der für mich den Platz im Auto organisierte. Und so fuhren wir 3 am Freitag Abend aus Curitiba heraus, um nach 3 1/2 Stunden fahrt, Bombinhas zu entdecken. Bombinhas liegt im Staate Santa Catarina etwa 70 km nördlich von Florianopolis. Eigentlich ist dieser Urlaubsort immer von Argentiniern überschwemmt, aber endlich einmal können die Brasilianer selbst dort gemütlich entspannen. Die letzten Jahre geht es den Argentiniern nicht mehr so gut, als dass sie sich den Urlaub dort noch leisten könnten.
Eigentlich wollte ich an den Stränden Bombinhas endlich einmal mit Kite und Board zusammen aufs Wasser hinaus, aber da es der Gott des Windes nicht gut mit mir meinte, war es genau der richtige Zeitpunkt, um mir mein ABC-Equipment zuzulegen. Oder um es verständlicher zu formulieren, ich hab mir ne Schnorchelausrüstung gekauft. Und während Alexander sich mit seinem Shortboard den Wellen hingab, strampelnden Allan und meiner einer über Kugelfische, Seesterne, Krebse und Schwarmfische hinweg.

Letztes Wochenende war es dann an der Zeit, sich zu erkundigen, wie Brasilianer zu deutscher Musik feiern können. UND DAMIT ES HIER EINMAL IN ALLER DEUTLICHKEIT GESAGT SEI: hier wird auch nur mit Wasser gekocht. Die Leute auf dem Oktoberfest in Blumenau haben zwar gefeiert, aber die Stimmung  und die Atmosphäre wie sie sich auf einem deutschen Zeltfest gibt, bekamen die Menschen hier nicht hin. Wie dem auch sei, das Fest war ganz nett, aber nichts im Vergleich zum Original. (oder im Vergleich zum Rutenfest...) Dafür hatten wir aber dennoch ein super Wochenende in Blumenau verbracht. Denn schließlich durften wir bei Julias Eltern wohnen. Julia ist eine Arbeitskollegin von Audi, deren Eltern ein rieeesen Haus in Blumenau haben. Bestens versorgt mit Apfelkuchen, Weißwürsten, Churrasco und sonstigen Leckereien, war es kein Problem, durch Parks, Regenwälder und Shopping-Center zu schlendern. Außerdem durften wir auch die Bekanntschaft Anuschka und Flinka machen. Die beiden Hunde, welche das Haus vor ungebetenen Gästen bewachten. Und während Flinka uns gleich schwanzwedelnd begrüßte, so brauchte Anuschka bis Samstag Abend Bedenkzeit, ob sie uns nun lieber beißen oder sich von uns streicheln lassen wolle. Sie entschied sich dann zu unserem Glück für Zweiteres, denn wer möchte es sich schon mit einer 12 Jahre alten Schäferhunddame verscherzen.

29.10.02 Nachdem letztes Wochenende nun endlich die Wahlen ihrem Ende entgegen sahen, sahen wir uns dagegen vor dem Problem, dass es eben auch an diesem Wahlwochenende wieder hieß: KEIN ALKOHOL und somit natürlich auch kein Leben in den Discos und Kneipen. Also machten wir uns kurzerhand daran, unsere erste eigene Churrasco Party zu geben (=Grillpartie). Was man dazu so alles benötigt, wussten wir zwar nicht ganz genau, aber wie wir uns von Manni dem mürrischen Mammut (dt. bei Audi) erklären ließen, ködert man die Brasilianer gaaaaanz einfach mit gut gezuckertem Caipi und Nudelsalat. Unerfahren wie wir noch waren, setzten wir den Termin auf 11 Uhr morgens an. Doch waren um diese Zeit dann weit und breit noch keine Gäste zu entdecken. Aber auch  kein Problem für uns, da wir ja sowieso bis um 11:30 Uhr noch damit beschäftigt waren, unsere letzten Einkäufe zu tätigen und Salate anzumachen. So gegen 11:45 Uhr kamen dann unsere ersten Gäste. Deutsche Gäste. Die geladenen Brasilianer kamen erst ab 14:00 Uhr. Dafür klärten sie uns dann aber auch darüber auf, dass man Samstags erst ab 15:00 Uhr Churrasco macht. Sonntags dagegen, kann man schon morgens beginnen. OKI - das merken wir uns alle natürlich gleich fürs nächste Mal.
Unsere 2 Eimer voller Caipi reichten dann jedenfalls dafür aus, um unsere Gäste bis 23 Uhr zu halten. Danach waren wir aber sehr erfreut darüber, dass wir nur auf eine weitere Churrasco Party geladen waren, ohne die Verpflichtung, dort zu erscheinen. Somit hatten wir nun nämlich die Option, nach dem Aufräumen, Gebrauch von unseren Betten zu machen. Und so kam es, dass wir gegen 00:30 Uhr den Tag für beendet erklärten.
Am Sonntag mussten somit nur noch letzte Essensreste und jede Menge Müll beseitigt, Geschirr gespült und natürlich auch die Wohnung wieder einmal gereinigt werden. Seiner eigenen Gesundheit zu liebe, hat Oli sogar endlich einmal ungeheißen mitgeholfen. Andererseits hätte ich seinen Kontostand drastisch reduziert, da ich dann nämlich mein Putzfrauengehalt bei ihm eingefordert hätte. Über weitere Maßnahmen, welche ich ansonsten noch ergriffen hätte, möchte ich mich hier lieber ausschweigen. Ich kann ja schließlich nicht wissen, welche zart besaiteten Leser all dies so sehr berührt, dass sie mich dann wegen gemeinen Gedanken wie, "Telefonverbot für Oli", verklagen würden.